Wichtige Themen


Zunehmende Resistenz gegen Anthelmintika


In seiner
Sitzung vom Juni 2006 verabschiedete das CVMP der EMEA (Committee for Medicinal Products for Veterinary Use) eine neue Richtlinie über Resistenzen gegenüber Anthelmintika bei Wiederkäuern und Pferden (EMEA/CVMP/EWP/170208/2005). Das Dokument befindet sich in Vernehmlassung bis Ende Dezember 2006. Es schlägt zusätzliche Warnhinweise in der Arzneimittelinformation der Anthelmintika vor, die auf die Möglichkeit einer Resistenzentwicklung bei den Parasiten von Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden hinweisen sollen. In erster Linie sind gastrointestinale Nematoden bei diesen Tierarten und Fasciola hepatica Infestationen bei Schafen gemeint.

Das Ausmass der Resistenzentwicklungen und die damit verbundenen Problemen sind in folgenden Publikationen beschrieben:

Borgsteede FHM, Dercksen DD, Huijbers R
Doramectin and albendazole resistance in sheep in The Netherlands
Veterinary Parasitology 2007 144: 180–183

Artho R, Schnyder M, Kohler L, Torgerson PR, Hertzberg H

Avermectin-resistance in gastrointestinal nematodes of Boer goats and Dorper sheep in Switzerland
Veterinary Parasitology 2007 144: 68–73

Concerns about improper use of anthelmintics
Vet. Rec. 2006 159: 793-794

Meier A, Hertzberg H
Strongyliden beim Pferd. I. Resistenzentwicklung gegen Anthelminthika
Schweiz. Arch. Tierheilk 2005 147: 381-388.

Strongyliden beim Pferd. II. Vorkommen von Anthelminthika-Resistenzen in der Schweiz
Schweiz. Arch. Tierheilk 2005 147: 389-396.

Sargison ND, Jackson F, Bartley DJ, Moir ACP
Failure of moxidectin to control benzimidazole-, levamisole- and ivermectin-resistant Teladorsagia circumcincta in a sheep flock
Vet. Rec. 2005 156: 105-109.

Wolstenholme AJ, Fairweather I, Prichard R, von Samson-Himmelstjerna G, Sangster NC
Drug resistance in veterinary helminths
Trends in Parasitology 2004 20: 469-476.

Diese Problematik wird auch im Kleintierbereich diskutiert:

Kopp SR, Kotze AC, McCarthy JS, Coleman GT
High-level pyrantel resistance in the hookworm Ancylostoma caninum
Veterinary Parasitology 2007 143: 299–304



Eprinomectin

Hinweis für die Praxis: Sorgfältige Anwendung von Pour-on Präparaten bei Milchkühen ist wichtig zur Vermeidung unerwünschter Rückstände in der Milch.
Rückstandsuntersuchungen des kantonalen Labors Zürich lösten eine Pharmakovigilance-Meldung zu einem Endektozid (Breitband-Antiparasitikum gegen Endo- und Ektoparasiten) mit dem Wirkstoff Eprinomectin in einer Einzelmilchprobe aus. Ein Rückstandsproblem durch Ausscheidung des Wirkstoffs über das Euter mit der Milch ist unwahrscheinlich; gilt für das Präparat doch eine wissenschaftlich sorgfältig belegte Absetzfrist von Null Tagen. Zur Abklärung des Verdachts, dass unsorgfältige Manipulation vor dem Melken (berühren der behandelten Rücken- oder Flankenhaut vor dem Anrüsten der Euter) eine direkte Kontamination der Milch mit Arzneimittelspuren verursachen könnte, wurde durch die beteiligten Behörden (kantonales Labor Zürich, Eidgenössische Forschungsanstalt für Nutztiere RAP, Bundesamt für Gesundheit, sowie Swissmedic) ein Versuch durchgeführt: An der RAP, Posieux, wurden zwei Gruppen à 5 Kühe mit einem Eprinomectin-haltigen Pour-on Endektozid behandelt. Bei der Gruppe 1 wurde sorgfältig jegliche direkte Kontamination der Zitzen vermieden; bei der Gruppe 2 wurde eine direkte Kontamination durch mehrmaliges kräftiges Berühren der Rücken- und Flankenhaut vor dem Anrüsten provoziert. Milchproben wurden vor der Behandlung und in den normalen Melkintervallen bis 3 Tage danach entnommen und durch das kantonale Labor Zürich auf ihren Eprinomectingehalt untersucht.
Das Resultat war deutlich:
Bei 30 Milchproben der Kühe der ersten Gruppe, bei welchen sorgfältig eine direkte Kontamination des Euters vermieden wurde, zeigten sich bis auf eine Ausnahme (Probe mit einem knapp über der Nachweisgrenze, aber deutlich unter dem in der Schweiz gültigen Grenzwert liegenden Wert) keine messbaren Eprinomectinrückstände. Bei 30 Milchproben der Kühe der zweiten Gruppe lagen die Werte von 10 über die Zeitpunkte 12, 24, 36, 48 und 72 Stunden nach Behandlung verteilten Proben oberhalb der Nachweisgrenze; eine Probe (zum Zeitpunkt 36 h) lag über dem gültigen Grenzwert, eine weitere (zum Zeitpunkt 24 h) knapp darunter.
Fazit: Wenn Pour-on Präparate unsorgfältig angewendet werden, scheint das Risiko zu bestehen, dass eine direkte Kontamination des Euters mit Wirkstoffspuren nach Berühren der Rücken- und Flankenhaut zu messbaren Rückständen in der Einzelmilchprobe führen kann. Unter ungünstigen Bedingungen können dabei Werte über dem zulässigen Grenzwert gemessen werden. Eine fachgerechte Anwendung solcher Präparate ist besonders bei Milchkühen wichtig. Dazu gehört vor allem eine sorgfältige Melkhygiene, welche eine direkte Kontamination von Euter und Zitzen vermeidet. Swissmedic empfiehlt den Tierärztinnen und Tierärzten, welche solche Präparate anwenden und abgeben, diese Information als Massnahme zur Verhinderung von unerwünschten Tierarzneimit-telrückständen in der Milch zu berücksichtigen und den Landwirten weiterzugeben.
Swissmedic, Schweizerisches Heilmittelinstitut, Abteilung Tierarzneimittel.